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Oder sollte man vielleicht sagen: “Von welchem Hersteller kaufe ich mir denn nun DIESEN Köder?!“
Der JDM-Trend zieht unseres Erachtens einen unglaublichen Plagiatwahn mit sich und es ist an der Zeit, darüber einmal offen zu sprechen, denn mit dem Erscheinen der aktuellen Kataloge für 2010 erreicht alles nun eine neue Dimension. Eine Dimension, bei der man Gefahr läuft, langsam den Spass an der Sache an sich zu verlieren.
Hier werden allerorten unzählige Köder als Innovationen und als „neu für 2010“ angepriesen, doch bei näherer Betrachtung fällt eines sofort auf: Es handelt sich meist nicht um neue Köder, sondern lediglich um Nachbauten bzw Originale unter anderem Etikett. Was genau dahinter steckt, kann man nur mutmaßen, was aber glasklar ist: speziell Junganglern und solchen, die sich mit der Materie nicht so gut auskennen, wird hier mit aller Macht das Geld aus der Tasche gezogen! Sind Kopien als solches sicher noch verschmerzbar, so stellt sich oftmals doch die Frage, warum einfache Kopien oftmals frech als aufwändige, innovative Eigenentwicklungen angepriesen werden. So etwas gehört sich nicht. Es soll hier nun aber nicht nur um deutsche oder europäische Hersteller, sondern um das Thema allgemein gehen, denn speziell auch auf der anderen Seite der Erde, vornehmlich in China, kann man Nachbauten finden und kaufen. Dort sind die Kopien, die teilweise annähernd das Qualitätsniveau der Originale erreichen, oftmals für sehr sehr kleines Geld zu erwerben. Die Verlockung ist für Unternehmer also gross, dort einzukaufen, schnell ein griffiges Eigenlabel zu kreieren, und die Plagiate hier als eigenständige Modelle mit teilweise Preisaufschlägen von bis zu 1000% an die zahlungskräftige Masse zu veräußern. Spätestens nun seit Aufkommen des JDM – Tacklewahns, von dem böse Zungen bereits behaupten, dass hier mehr das „Posing“ und der Konsum, als das Angeln im Vordergrund stehen, ist hier eine erschreckende Marketinglawine in Gang gekommen. Raubfischangeln ist seit neuestem chic: An den Gewässern tummeln sich Horden von bunt und schrill gekleideten Protagonisten, die ihren Tournamenthelden aus Übersee nacheifern und mit sündhaft teurem Gerät Köder präsentieren, die bestmöglich irgendwie nach JDM aussehen. Natürlich wollen alle Hersteller an diesem Trend partizipieren und brauchen möglichst kurzfristig entsprechende Produkte. Verständlich. Die Nachfrage ist da, und speziell der deutsche Angelmarkt als einer der sowieso teuersten der Welt, will kurzfristig sehr profitabel gemolken werden. Da keine Zeit für wirkliche Eigenentwicklungen bleibt, greift man also schnell auf Lizenzlösungen oder (meist chinesische) Plagiate zurück.
Grotesk wird es allerdings nun, wenn am Ende qualitativ identische Kopien mit Preisunterschieden von teilweise mehreren 100 Prozent von verschiedenen Herstellern hier in Deutschland angeboten werden. Der Konsument fühlt sich spätestens an dieser Stelle schwer verschaukelt, wenn er beispielsweise den sensationellen Innovationswobbler 2010, gerade noch für ca. 20 Euro erstanden, als quasi identisches Modell dann an anderer Stelle von einem anderen Hersteller kurz danach für nur 4 Euro regulärem Preis entdecken muss. Überhaupt ist es mittlerweile sehr auffällig, dass das Preisniveau für Angelgerät hier in Deutschland mittlerweile sehr sehr hoch gehalten wird. Warum sind oftmals identische Produkte trotz privatem verzollungspflichtigem Direktimport und daraus meist resultierender doppelter MwSt. - Belastung immer noch wesentlich preiswerter als der Direkterwerb hier in Deutschland? Aber das wäre noch ein anderes Thema ;-)
Unsere Bitte: Liebe Hersteller, besinnt Euch wieder auf Eure wahren Qualitäten, rennt keinen kurzlebigen Trends hinterher und nennt Innovationen und Eigenentwicklungen bitte nur dann so, wenn dem auch so ist. Etwas Understatement und mehr Wahrheitsgehalt im Marketing hat auch noch nie geschadet. Klappern gehört zum Geschäft, aber wer schreien muss, hat keine wirklichen Argumente. Angeln ist kein japanisches Shootergame. Sollte Euch das gelingen, wird es uns in Zukuft wieder sicherlich mehr Spass bringen, durch die alljährlichen Angelkataloge zu schmökern und zu konsumieren. Fish On! »
15 Kommentare
1Kommentar Klasse! Genau auf den Punkt gebracht.
2Kommentar Tja und nun bitte Kommentare dazu, welche Köder auf den Fotos Plagiate sind. Beim ersten ist es einfach, beim zweiten wird es schwerer, wenn man bedenkt, dass auch Drillinge ausgetauscht werden können;)
3Kommentar hui, schön das jemand den mut gefunden hat sich dieser heiklen Thematik zu widmen... @ lukas namen nennen wäre an dieser Stelle recht gefährlich
4Kommentar Seid ihr nun generell gegen Plagiate oder nur wenn diese zum hohen Preis der Originale verkauft werden? Ich finde es angenehm, wenn durch Plagiate die Preisspirale mal wieder nach unten geht. Denn worin liegen den die heute gepriesenen Innovationen, welche angeblich den hohen Preis der neuen Produkte rechtfertigen? Im Enddefekt kauft man ein Stück farbiges Plastik mit 2 Drillingen für 15-20 €; 1,00 € Herstellkosten, den Rest für was auch immer! Vor 25 Jahren gab es auch schon gute Markenkunststoffwobbler die gefangen haben, nur mit dem Unterschied, dass diese 5 DM gekostet haben (für die Jüngeren, dass sind ca. 2,50€).
5Kommentar plagiate als solches sind schon o.k.., denn sie beleben das geschäft und es kommt über den preis dem kunden zugute, wenn vernünftig gemacht. leider nur wird auch eine menge überteuertes minderwertiges material angeboten, das die welt nicht braucht .. und weniger erfahrene fallen auf solch vermeintliche schnäppchen dann immer wieder herein, weil die produktbeschreibungen nicht die realität beschreiben ... und da wirds dann zum problem. ;-)
6Kommentar Wirklich schöner Bericht!
7Kommentar Also erstmal Note 1 für diesen Bericht! Und jetzt mal was zu den Kommentaren: @cjb: Auch bei den Japanködern kommt man auf reine Material- und Herstellungskosten von höchstens (!!!) 3-4€. Was den Preis bei den japanischen Ködern ausmacht ist aber größtenteils die Entwicklung. Die Köder aus Übersee werden langfristig und intensiv getestet, bevor der Köder auf den Markt kommt. So gibt es auch recht lange Probezeiten und teilweise unzählige Prototypen, bis die Serienfertigung beginnt (als Beispiel sei hier nur mal O.S.P. nennen) Die deutschen Firmen haben (größtenteils) nur ein Ziel: Profit! In Japan gibt es das Ziel natürlich auch, allerdings herrscht hier auch ein anderer Qualitätsanspruch. Die Köder sollen nicht nur schick aussehen, sie sollen auch fangen - und dies auch beweisen. Zum Rätsel: Der untere Köder auf dem 2. Bild ist ein Vision110 von Megabass. Indiz sind die Outbarb-Hooks (ich betrachte die Bermerkung, das evtl. die Haken ausgetauscht sind mal als Finte) und die Augen des Köders.
8Kommentar Richtig, da ist aber noch einer Original;)
9Kommentar Echt???? Dann Tip ich auf den Ersten.......
11Kommentar dann ist der orangene wohl noch original.. Meine Frage wäre: Laufen die Imitate genauso wie die Originale?
12Kommentar Der ist es. Und ja, sie laufen ziemlich gleich, entsprechend dem MB 110 highfloat.
13Kommentar Is schon echt Wahnsinn. Wobei ich das jetz nicht zwingend ausschließlich mit der JDM Entwicklung in Verbindung bringen würde. Allein schon das von euch gebrachte Beispiel von Rapala und die vielfach verfügbaren Kopien vom Bulldawg widerlegen das ja schon ein Stück weit. Das Ergebnis bleibt natürlich das Gleiche.
14Kommentar Das stimmt. Kopien gibt es schon länger. Auch von Japanbaits gibts schon ewig Kopien. Nur ist der Japan-Trend jetzt in Deutschland populär geworden, was natürlich auch das Interesse an billigen Kopien erhöht hat.
15Kommentar ich hasse diese scheiße. besonders im christ-STOLLEN-katalog. ;)
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