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Rapfen = stark, schnell, aggressiv!
Berichte
Geschrieben von Lukas Mebert   
8.05.2008

Nachdem im März bereits Maik Lindemann seine Herangehensweise an diesen Räuber geschildert hat, möchten wir Euch nun das Ganze aus Sicht unseres Lukas (Mebert) vorstellen. Die Rapfensaison steht kurz bevor und dank des warmen Wetters sind die Rapfen bereits jetzt schon sehr aktiv. Lasst auch Euch vom Rapfenvirus infizieren: Spektakuläres Fischen und spannende Erlebnisse sind garantiert!

Mit steigender Wasserqualität in allen großen Gewässersystemen Deutschlands, nimmt der Bestand des Rapfens, dieser faszinierenden Fischart kontinuierlich zu. In nahezu allen Kanälen, Flüssen und deren seenartigen Erweiterungen hält der Rapfen seinen Siegeszug und verrät sich vielerorts durch atemberaubende Jagdszenen. Jungfische spritzen aus mitunter nur knietiefem Wasser, verfolgt von einem oder mehreren massiven Schatten, bis sich die Situation letztendlich in einem Schwall und lautem Klatschen entlädt, daß man meinen könnte, jemand hätte einen Balken ins Wasser geworfen. Es passiert in seichten Buchten, vor Buhnenköpfen und auch inmitten der Hauptströmung von Oder, Rhein, Havel u.ä. sowie ihren Zuflüssen.

Lukas Mebert mit Rapfen der 80er Klasse

Fangen wir aber von vorne an:
Zwischen April und Juni jeden Jahres suchen die Elterntiere überströmte Kies-, Geröll- und Muschelbänke auf, um dort pro Weibchen 80.000 bis 1 Millionen Eier abzulegen und diese vom Männchen befruchten zu lassen. Die Eier haften am Grund und nach ca 10-27 Tagen schlüpfen die kleinen Rapfenlarven, die daraufhin bis zur Schwimmfähigkeit zwischen den Muschel- und Kiesritzen leben, um dann im Schwarm in seichtes Wasser zu ziehen und in Ufernähe heranwachsen. In diesem Lebensabschnitt ernähren sie sich von Insekten, Wasserflöhen und kleinen Krebsen. Dann, bereits nach einigen Monaten zeigt der Rapfen sein wahres Gesicht. Von nun an macht er Jagd auf die Brut des jeweiligen Jahrgangs, kleinere Fischchen und mit zunehmender Größe auch auf Amphibien und sogar junge Wasservögel. Das Wachstum kann als zügig bis schnell bezeichnet werden, Fische im Alter von nur einem Jahr wiegen bereits um 500 Gramm. Geschlechtsreif werden sie im Alter von drei bis fünf Jahren, die maximale Größe liegt um 100cm, wobei Exemplare über 80cm als kapital anzusehen sind. Die Lebenserwartung liegt bei 10-12 Jahren.

Während die Jungfische im Schwarm leben, werden die adulten Tiere mehr und mehr zu Einzelgängern und ziehen ins freie Wasser. Natürlich orientieren aber auch sie sich an den Futterfischen und kommen zum Jagen auch weiterhin in flache Gewässerabschnitte. Das große Fressen findet meist in der Morgen- und Abenddämmerung statt, zwischen Frühling und Herbst erleben wir dann die oben beschriebenen Jagd-Szenarien.

Mit seinem oberständigen und tief gespaltenem Maul schlägt der Rapfen meist von unten zu. Er greift mit hoher Geschwindigkeit an, sticht in den Jungfischschwarm und selbst wenn er nicht direkt einen Kleinfisch erwischt, ist die Chance auf Futter noch groß. Der ein oder andere Futterfisch wird durch die Wucht der Attacke kurzfristig orientierungslos oder sogar betäubt sein und muss nur noch eingesammelt werden.

Nun könnte man meinen, dass ein so ungestümer Fisch eigentlich leicht zu fangen sein müsste, er ist es teilweise auch, aber der Angler kommt doch oft genug der Verzweiflung nahe. Egal welchen Köder man auf welche Weise auch immer präsentiert, an einigen Tagen straft uns der Rapfen mit Missachtung. Zum einen ist seine Sehfähigkeit sehr gut, zum anderen verfolgt er ein genaues Beuteschema und reagiert sehr zickig auf äußere Einflüsse wie Lärm und ist zudem relativ schnurscheu. Demzufolge haben wir gerade in flachen und klaren Buchten ohne viel Strömung ein Problem, leichter wird es in starker Strömung und angetrübtem Wasser.

Die Attacken auf unsere Köder kommen in erstgenanntem Fall ziemlich zeitnah am Aufprall des Köders auf der Wasseroberfläche, in zweitem Fall kann der Biss auch direkt vor unseren Füßen stattfinden. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. In jedem Fall gibt es aber einen harten bis bombastischen Einschlag in der Rute und wehe dem, der feines Zeug fischt und seine Bremse nicht richtig eingestellt hat. Schnurbruch ist dann die logische Konsequenz!

Wir haben bisher also gelernt: Die Rapfen zu lokalisieren ist ersteinmal relativ leicht, da sie sich oft durch oberflächennahes Rauben verraten. Sollte dies nicht der Fall sein, orientieren wir uns am Futterfisch, an strömungsreichen Gewässerabschnitten mit hartem Grund, Buhnenköpfen, Wehren, Schleusen, Sandbänken, Buchten, Verengungen und Strömungsverwirbelungen. Schwieriger wird die Köderwahl und das dazugehörige Hardware-Setup.

Ich bevorzuge Ruten um 20 Gramm Wurfgewicht und 1,80-2,40m Länge, wahlweise kleine Stationärrollen der 1000 bis 2500er Klasse mit hoher Übersetzung und einwandfrei arbeitender Bremse oder entsprechende Low-Profile Baitcaster, geflochtene Hauptschnur zwischen 0,10 und 0,12mm und ein Fluorcarbonvorfach in 0,22-0,25mm und zwei Meter Länge.
Als Köder dienen mir Oberflächenwobbler, Popper, Stick- und Propbaits, flachlaufende Blinker, Jerks, Wobbler und Softjerks, alles zwischen 3 und 13cm. Als Beispiele seien genannt: Lucky Craft Sammy in allen Größen, Megabass Propdarter, Abu Toby, Hansen Flash, Jackall Water Mocassin, Monitor, Hamakuru, kleine Salmo Slider, Lunker City Fin-S-fish und/oder ähnliches.
Farblich setze ich auf natürliche Dekors, sollte garnichts funzen, auch mal auf Kontrastfarben, z.B. Redhead oder Firetiger. Rot ist meiner Meinung nach, entgegen der allgemeinen Meinung eher weniger fängig. Auch das allseits bekannte und angepriesene Rapfenblei hat aus meiner Sicht ausgedient. Es gibt definitiv attraktivere Köder.

gängige Hardbaits auf Rapfen
gängige Softbaits auf Rapfen

Die fängigen Führungsstile variieren von Tag zu Tag, so kann es sein, dass den einen Tag ein möglichst konstant und schnell eingekurbelter Köder fängt, am nächsten Tag funktioniert auf einmal nur noch ein langsam gezupfter oder im „walk the dog“ geführter Bait. In jedem Fall kann es Punkte bringen, eine Springerfliege vorzuschalten, diese wird je nach Jahreszeit und Futteraufkommen sogar bevorzugt attackiert. Grundsätzlich sollte man solange ausprobieren und variieren, bis man den Adrenalinspiegel pushenden Schlag in der Rute spürt und der Tanz beginnt, immer alles gleich zu machen bringt einen nicht unbedingt weiter, Stillstand bedeutet wie so oft Rückschritt.

Wenn ich nun gezielt Rapfen fangen will, gehe ich wie folgt vor: Ich bin bereits mit dem ersten Licht des Tages am Wasser oder beginne erst vor Einsetzen der Abenddämmerung. Die ersten bzw. letzten drei Stunden des Tages waren in der Vergangenheit am erfolgreichsten. Im Idealfall kenne ich bereits eine Stelle am Gewässer, wo unser Zielfisch bevorzugt auf Jagd geht, sehe Jungfische und deren Größe, wähle daraufhin einen natürlich wirkenden Köder, verhalte mich ruhig! und beginne zu fischen. Sollte ich jagende Rapfen sehen, werden diese angeworfen und hoffentlich auch gefangen. Interessieren sie sich aber nicht für meinen Köder, wird erst die Führung, dann der Köder selbst variiert. Verraten sich keine aktiven Süßwassertarpons, fische ich den Spot kreisförmig ab, ändere dabei immer mal die Führungsweise und den Köder, und sollte der Erfolg trotz aller Mühen ausbleiben, wird der Platz gewechselt. Am Fluss kann man sich so von Buhne zu Buhne vorarbeiten, in seenartigen Gewässern muss man teilweise größere Strecken zurücklegen und sich dabei an den oben genannten Merkmalen orientieren. Unterhalb von Schleusen und Wehren dagegen sollte man durchaus länger verweilen, durch den höheren Sauerstoffgehalt werden gerade im Hochsommer solche Spots immer wieder von den Fischen aufgesucht bzw. garnicht erst verlassen.

Rapfen auf Softbait gejiggt

Kommt nun der ersehnte Biss, erübrigt sich im Normalfall der Anschlag, da sich der Fisch durch seine wuchtige Atacke selbst hakt und uns gar keine Zeit lässt, zu reagieren. Es folgt meist eine unvergessliche erste Flucht, in der es gerade bei größeren Exemplaren und Strömung kein Halten gibt. Der Fisch gibt wirklich alles und powert sich im Verlauf des Drills vollkommen aus. Teilweise schwimmt er dabei so schnell auf uns zu, dass man nicht mehr mit dem Kurbeln hinterher kommt und an Schnurbruch oder Verlust denkt, um dann aber auf einmal wieder Kontakt zu bekommen und weiterdrillt. Abgefahrene Viecher, ähnliche Geschwindigkeiten erreichen wohl nur Meeresfische und Salmoniden!

Ist nun alles nach Plan gelaufen, liegt der Fisch nach nervenaufraubendem Drill landebereit vor uns an der Oberfläche und zeigt weiß. Ich bevorzuge in jedem Fall die Handlandung, wahlweise mit Nacken- oder Schwanzwurzelgriff, greife beherzt zu und bin happy. Falsche Vorsicht ist definitiv nicht angebracht, teilweise mobilisieren die Fische nämlich noch letzte Reserven und rutschen einem bei zu leichtem Griff wieder aus der Hand. Dies wird oft genug mit dem Verlust des Fisches oder auch Verletzungen durch frei hängende Haken bestraft.
Ein Kescher funktioniert natürlich auch, ist aber nicht annähernd so waidmännisch, gerade im Sommer sind Rapfen sehr empfindlich, und das mindeste was man beachten sollte, wenn der Fisch zurückgesetzt werden soll, ist ein gummiertes Keschernetz.

Apropos Empfindlichkeit im Zusammenhang mit Releasen:
Große Exemplare sollten nicht einhändig im Kiemendeckel gehalten werden, diese können ziemlich schnell einreißen. Auch ausgedehnte
Fotosessions sind absolut fehl am Platz, wie gesagt, diese Fischart gibt im Drill alles!  Soll der Fisch released werden demzufolge abhaken, evtl. kurzes Foto, schnell wieder stützend ins Wasser halten und durch hin- und herschieben des Fisches dafür sorgen, daß die Kiemen gut durchströmt werden und das Tier wieder fit wird. Erst dann loslassen wenn der Fisch aus eigener Kraft wegschwimmen will, auch wenn es manchmal ein paar Minuten dauert! Alles andere ist, besonders bei hohen Temperaturen nicht waidmännisch.

So und nun Sachen packen, raus ans Wasser und das Duell mit dem wohl spektakulärsten Süßwasserwolf im Schafspelz unserer Breiten suchen! Ihr werdet begeistert und spätestens nach dem ersten besseren Fisch danach süchtig sein. Versprochen!

 Tight lines, Lukas Mebert.

Bereits im zeitigen Frühjahr beissen auch solche Rapfengranaten

» 3 Kommentare
1Kommentar von leoseven am Donnerstag, 8. Mai 2008 14:17
schön geschrieben.. bei uns gab es gestern auch noch mal zwei von denen.. leider nur 60er klassen :)
2Kommentar von axel27 am Donnerstag, 8. Mai 2008 19:19
Klasse Bericht Lukas!!! Einfach nur Geil diese Koksplötzen.... bis Montag sag ich da nur
3Kommentar von Japanolli am Dienstag, 13. Mai 2008 22:54
Den Bericht kann ich fast ausnahmslos so unterschreiben. 
Wirklich sehr gut und ausführlich geschrieben!!! 
 
Ich bevorzuge vor allem beim Rapfenfischen jedoch Monofile. 
Ich finde Oberflächenköder laufen besser mit Monofiler und die hammerharten Bisse werden sehr gut gepuffert. 
 
Und noch was zum Drill: 
Wie Du schon geschrieben hast powern sich Rapfen richtig aus. 
Umso wichtiger ist es den Rapfen so schnell wie möglich zu landen. 
Bei mir dauert ein Drill selten länger als 30 sec für Rapfen bis zur 70er Klasse ohne Strömung. 
Der Fisch muss dann nicht gestützt werden und hat so viel Kraft das er gleich wieder los schwimmt und seine Überlebenschance deutlich höher ist.
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