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Dickbarsche gezielt
Berichte
Geschrieben von Lukas Mebert   
3.04.2008

Launisch, zickig, Dickbarsch! So ziemlich jeder Spinnangler hat in seinen Anfängen wohl als erstes Bekanntschaft mit den überall vertretenen Barschen gemacht. Gerade die kleineren Exemplare sind sehr dankbare Abnehmer für nahezu alle Kunstköder in entsprechender Größe und stürzen sich übermütig auf alles, was sich bewegt. Fazit: Eine echte Herausforderung ist das nicht und so wählen die meisten Raubfischangler sehr bald neue Zielfische wie Hecht, Zander, Rapfen oder Wels. Auch Lukas Mebert erging es so bis sich eines Tages an seinem Hechtköder etwas vergriff, dass sich vom ersten Eindruck her wie ein guter 50er Hecht anfühlte ...

Solche Barschmoppel lassen sich gezielt fangen

Der Fisch war dann tatsächlich nur 42cm lang, hatte dafür aber keinen Entenschnabel sondern Streifen. Mein erster guter Barsch und ich war ernsthaft beeindruckt von dessen Anmut, dem grimmigen Gesicht und dem massigen Körper, gepaart mit der für seine Größe starken Kampfkraft. Respektvoll lies ich ihn wieder schwimmen und war sehr glücklich über diesen zufällig gefangenen Fisch. Die nächsten Tage erinnerte ich mich immer wieder an das Erlebte und setzte mir als Ziel, gezielt und mit leichtem Gerät erneut Erfolg zu haben. Das stellte sich jedoch schwieriger als erwartet heraus und ich kam der Verzweiflung nahe. Sind diese Dickbarsche so selten oder ich einfach zu dumm, sie zu erwischen? Nun, zwei Jahre später bin ich um einiges schlauer, fange regelmäßig Fische über 40cm und möchte Euch ein paar Tips geben.

Als allererstes und vor allen Köderdiskussionen steht das Gewässer. Es ist keinesfalls so, dass man in jedem See, Fluß oder Kanal mit wirklich großen Barschen rechnen kann. Man sollte sich bewusst machen, das so ein erhabener Fisch 10 Jahre und älter ist. Hoher Angeldruck und/oder ein Fischer sind genauso Gift wie übermäßiger Hechtbestand oder massenhaft auftretende Kleinbarschschwärme. Darüberhinaus sollte ausreichend Futter vorhanden sein und damit meine ich keineswegs nur Jungfische. Krebse und anderes Kriechgetier stehen ganz weit oben auf der Speisekarte und werden zu gewissen Zeiten sogar ausschließlich vertilgt. Zusammenfassend kann man also sagen, wir brauchen ein Gewässer mit kleinem aber alten Bestand, wenig Konkurenz durch andere Raubfische und ein großes und vielfältiges Futterangebot. Natürlich finden wir Dickbarsche auch in Gewässern, die gegen dieses Schema verstoßen, sie dort aber zu fangen ist mehr Glück und man wird, wenn überhaupt, nur mit genauer Gewässerkenntnis Erfolg haben. Meine Favoriten sind daher überschaubare Waldseen bis 50 Hektar, idealerweise mit o.g. Voraussetzungen und relativ klarem Wasser. Flache Seen mit Maximaltiefen unter 3 Meter fallen aus, ich bevorzuge tiefes Wasser.

So müssen sie sein ...
 
Als goldene Zeit haben sich der späte Winter kurz vor der Laichzeit und das frühe Frühjahr unmittelbar nach dem Laichgeschäft herausgestellt wobei auch der Hochsommer sehr gut sein kann. Ich konzentriere mich aber eher auf die kalte Jahreszeit, im Sommer warten andere Zielfische.
Wie gehen wir nun vor? Erstmal natürlich Strecke machen und die Fische suchen, aber womit? Die Frage des Geräts und der Köder ist gerade bei Dickbarschen sehr wichtig. Fein, feiner und langsam lautet die Devise. Ich fische einerseits eine Rute bis 20 Gramm Wurfgewicht in 2,40 Meter mit einer 2500er Stationärrolle, auf der maximal 0,10er Geflochtene aufgespult ist, andererseits eine leichte Baitcaster - Kombination mit ähnlichem WG und Schnur aber entsprechend kürzer, in meinem Fall 1,80 Meter. Als Vorfach kommt hochwertiges und mindestens 1,50 Meter langes 0,20 bis 0,25mm Fluorcarbon zum Einsatz, länger ist oft besser. Auf Einhänger verzichte ich.

Nun zum wohl wichtigsten, dem Köder und dessen Präsentation: Ein Barsch saugt die Beute an, ist unser Köder zu schwer, wird`s schwer. Soll heißen, wir müssen den Köder so natürlich wie möglich anbieten und dem Fisch die Möglichkeit geben, ihn ohne Wiederstand zu inhalieren. Zwei Gramm Unterschied können über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Kommt z.B. ein 7cm No-action-shad bei fünf Meter Tiefe zum Einsatz, reichen drei Gramm selbst bei Wind. Die Köderkontrolle ist dann zwar sehr bescheiden, dieses Problem umgehe ich aber, indem ich ausschließlich über einen Schnurbogen fische. Das heißt volle Konzentration, auswerfen, Schnurablauf beobachten und erst wieder anlupfen, wenn der Schnurbogen erschlafft und einen noch größeren Bauch bekommt. Es erfordert etwas Übung, funktioniert aber sehr gut.
Etwas einfacher geht es mit anderen Montagen, genannt seien vor allem Finesse-Rigs wie Texas- oder Carolina - Rig.
Hier darf das Blei ruhig 8 Gramm und mehr wiegen, da es ja frei beweglich auf dem Vorfach sitzt. Gerade bei starkem Wind ist das eine sehr gute Lösung und speziell Gummiwürmer sollten nur so präsentiert werden. Nun kommen wir zum Köder selbst. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, das weniger Aktion oft mehr ist bzw. mehr fängt. Wild wackelnde Köder wirken genauso unnatürlich wie grelle Köder und Barsche sind nunmal mißtrauisch. Ich orientiere mich am natürlichen Vorbild. In jedem Fall werden die Köder grundnah in kurzen Sprüngen oder schleifend mit unterschiedlich langen Pausen angeboten. Der Biss kommt meist in der Absink- oder der Ruhephase und macht sich über einen kurzen Ruck im Schnurbogen bemerkbar, teilweise sitzt der Fisch aber auch beim erneuten Anlupfen ohne das man etwas erahnen hätte können. Schöner ist natürlich die erste Variante, die mit einem beherzten Anhieb quittiert werden sollte. In zweitem Fall schlage ich trotzdem nochmal nach, Mäuler von großen Barschen sind doch wesentlich härter als die von ihren kleineren Artgenossen und der Haken muss fassen. Aussteiger sind dafür sehr selten.

geriggte Worms

Ködertipps:

1. Am Bleikopf:
Fin-s-fish von Lunker City in natürlichen Farben, gerne mit Glitteranteil, zwischen 2,5 und 4inch (ca 6-11cm).
Berkley Realistx Minnow in Farbe Smelt und Perch und gleicher Größe.
Storm Wildeye No Action mit Holofolie und integriertem Blei/Haken, 5cm.
Zoom Salty Super Fluke 4“ z.B. Farbe Baby Bass oder June Bug
und ähnliche ...
 
2. Am Finesse - Rig:
Gambler Giggy Finesse Snake 5“ in gedeckten Farben wie braun oder dunkelgrün mit Glitteranteil (z.B. Florida Five-O oder June Bug).
Zoom Finesse Worm, 5“ in Farbe Early Craw.
Reaction Innovation Flirt 4.95“ in Farbe Magic Craw Redflake.
Yamamoto Yamasenko 5“ in dunklen Tönen.
Berkley Gulp 4“ Minnow Worm in z.B. Blue Fleck.
Roboworm Pitchin Craw in allen Farben.
Lunker City Hell Gies.
und ähnliche ...

Barsch - Creatures
Barsch Shads
Barsch Worms

Bei Bleiköpfen kneife ich grundsätzlich alles Blei unterhalb des Kopfes mit einem Seitenschneider ab, damit die kleinen Gummis nicht einreißen und fixiere alles mit einem Tropfen Sekundenkleber. Zu Finesse - Rigs sei gesagt, dass ich die Carolina - Variante bevorzuge, da sie weniger Widerstand bei der Köderaufnahme gewährleistet als das Texas - Rig. In letzter Zeit benutze ich sehr gerne auch geflavourte Köder. Es kann Einbildung sein aber ich meine damit mehr Erfolg zu haben.

So und nun heißt es wie immer: Raus ans Wasser, die letzten Wochen der heißen Phase ausnutzen und hoffentlich noch ein paar dicke Barsche fangen. Viel Erfolg dabei und Tight Lines!


Lukas Mebert

Es hat geklappt

» 13 Kommentare
1Kommentar von hebaza am Donnerstag, 3. April 2008 20:46
Schöner Bericht und super Köderauswahl! 
Einige sind auch meine Favoriten, nicht nur auf Barsch.
2Kommentar von RFCatcher am Donnerstag, 3. April 2008 20:50
yepp geile Köder Luc und schön beschrieben ..... :-)
3Kommentar von achsodertobi am Donnerstag, 3. April 2008 22:03
Suuuuuuper! Danke! Dein Bericht bestätigt meine überwiegende Köderwahl. 
Ich fische auf Barsch auch zu 80% Gummi. 
Fein gemacht!!!
4Kommentar von Imo am Donnerstag, 3. April 2008 22:57
Schöner Bericht und schöne Barsche...
5Kommentar von Lukas am Freitag, 4. April 2008 12:57
Danke für die Loorbeeren. Es geht natürlich auch mit Hardbaits und Dropshot, am effektivesten sind aber doch die Gummis!
6Kommentar von PIKEWORLD am Freitag, 4. April 2008 15:35
super geschrieben und bebildert. 
so langsam bekommme ich barschfieber!!! 
 
gruß 
 
jochen
7Kommentar von Twisterpaule am Freitag, 4. April 2008 15:39
Super Bericht , mit Gummi wurde bei mir bis jetzt auch am meisten gefangen,gefischt. xD
8Kommentar von axel27 am Freitag, 4. April 2008 17:37
Hut ab, Lukas! Klasse Bericht, sehr informativ geschrieben mit allzu animierenden Photo's. ab ans Wasser..... Gruß Axel
9Kommentar von Juergen am Montag, 7. April 2008 08:26
Kann mich meinen "Vorrednern" nur anschließen wirklich klasse. 
Hab meine meisten "Dickies" auch auf Gufis und man höre und staune: 
auf den guten alten Mepps gefangen. 
Gruß 
Jürgen
10Kommentar von Flowsen am Montag, 7. April 2008 17:03
Super Bericht und schöne Bilder von dicken Barschen! Echt klasse!
11Kommentar von bart am Freitag, 11. April 2008 16:35
schicker bericht, mini twister in braun und kleine suspending wobbler nich vergessen
12Kommentar von Lukas am Freitag, 11. April 2008 18:51
wie gesagt, Wobbler gehen auch gut aber meißt eher in den wärmeren Jahreszeiten:-) Mini-Twister in braun hab ich eher selten versucht, aber braun allgemein ist ne seeeeeehhhrr gute Farbe. Viele Grüße!
13Kommentar von Barschfreak am Samstag, 27. September 2008 19:12
Echt ein super Bericht  
Ich fische seit ca 1 1/2 Jahren das Texas Rig und was soll ich sagen  
einfach nur Top oft gehen große Barsche so um die 35-40 cm  
an den Hacken naja  
Gruß Barschfreak
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